Sich in einer verteidiungsbereiten Welt orientieren: Säugetiermodifikationen unseres evolutionären Erbes. Eine Polyvagal-Theorie.

Stephen W. Porges stellt erstmals die Polyvagal-Theorie vor. 1995 


Abteilung für Menschliche Entwicklung, Universität von Maryland, College Park, USA (der vollständige Originalartikel auf engl.)

ABSTRACT: Der Vagus, der 10. Hirnnerv, enthält Nervenbahnen, die zur Regulierung der inneren viszeralen Organe, einschließlich des Herzens, beitragen. Die efferenten Vagusfasern haben nicht denselben Ursprung im Hirnstamm. Die Polyvagal-Theorie wurde vorgestellt, um die unterschiedlichen Funktionen der beiden primären medullären Ursprungskerne des Vagus zu erklären: der Nucleus ambiguus (NA) und der dorsale motorische Nucleus (DMNX). Obwohl Nervenbahnen des Vagus aus beiden Kernen am sinoatrialen Knoten enden, wird argumentiert, dass die im NA entspringenden Fasern eindeutig für die respiratorische Sinusarrhythmie (RSA) verantwortlich sind. Abweichende Veränderungen der RSA und Herzfrequenz werden durch unabhängige Prozesse des DMNX und NA erklärt. Die Theorie 
betont eine phylogenetische Perspektive und vermutet, dass die Organisation des Hirnstamms bei Säugetieren, nicht aber bei Reptilien, durch einen ventralen vagalen Vaguskomplex 
(einschließlich NA) gekennzeichnet ist. Dieser Komplex wird mit Prozessen in Zusammenhang gebracht, die Aufmerksamkeit, Bewegung, Emotion und Kommunikation betreffen. Verschiedene klinische Störungen, wie der plötzliche Kindstod und Asthma, 
könnten mit der Konkurrenz zwischen DMNX und NA zusammenhängen.